Blutorange
Die Blutorange ist eine Orange der Art Citrus sinensis, deren Fruchtfleisch sich durch Anthocyan rot färbt, den Farbstoff, der auch blaue Trauben färbt.
Im Februar liegen in der Obstschale ein paar Orangen, und eine davon ist anders. Von außen sieht sie aus wie die übrigen, vielleicht mit einem roten Hauch auf einer Seite, und erst das Messer zeigt, was in ihr steckt: bei der Sorte Moro ein Fruchtfleisch, das fast violettrot ist, bei der Tarocco ein bernsteinfarbenes mit roten Sprenkeln. Eine Blutorange ist keine eigene Frucht. Sie ist eine Orange, die etwas kann, was keine andere Orange kann: Nach den Zitrusforschern der University of Florida bilden nur Blutorangen Anthocyane im Fruchtfleisch, manchmal auch in der Schale.
Kalte Nächte, rotes Fruchtfleisch
Die Farbe ist eine Frage des Wetters, nicht der Sorte allein. Blutorangen brauchen über den größten Teil der Saison Wärme und im Winter eine kühle Phase. Am besten färbt sich das Fruchtfleisch nach der University of Florida bei 46 bis 59 Grad Fahrenheit, also rund 8 bis 15 Grad Celsius, und es braucht etwa 15 bis 30 Tage in diesem Bereich, bis die Farbe ganz da ist. Entscheidend ist der Abstand zwischen Tag und Nacht. In Florida selbst, wo es warm und feucht bleibt, haben Blutorangen bei der Reife meist ein blasses Inneres.
Am Ätna stimmt das Wetter. Die Produktspezifikation der geschützten geografischen Angabe beschreibt das Gebiet in Ostsizilien mit viel Sonne am Tag, kalten Nächten durch die Luft, die vom Vulkan herabströmt, und wenig Regen. Diese Sprünge lassen Zucker und Anthocyane in der Frucht wachsen: Das Rot und die Süße kommen aus demselben Wetter. Dieselben Sorten, anderswo gepflanzt, zeigen diese Farbe nach der Spezifikation nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Orange und Blutorange?
Botanisch keiner, es ist dieselbe Art. Der Unterschied sitzt im Farbstoff und damit im Glas und auf dem Teller. Drei Sortengruppen tragen den Namen, und jede hat ihren Platz. Die Moro reift als erste, ihr Fleisch ist ganz dunkel weinrot und recht säuerlich, und ihre Schale kann fast ohne Rot bleiben. Die Tarocco gilt als die süßeste und aromatischste, kernlos, mit dünner Schale, und sie ist nach dem Schutzkonsortium die verbreitetste der drei. Die Sanguinello ist kleiner, hat wenige oder keine Kerne und reift als letzte.
Wer im Handel „Arancia Rossa di Sicilia“ liest, bekommt genau diese drei, sortenrein angebaut in festgelegten Gemeinden der Provinzen Catania, Siracusa und Enna. Die Bezeichnung ist seit 1996 als g.g.A. eingetragen, also als geschützte geografische Angabe. Die Früchte reifen dort von Mitte Dezember bis April.
Sind eine Blutorange und eine Grapefruit das Gleiche?
Nein, auch wenn eine rote Grapefruit im Anschnitt ähnlich aussieht. Die Grapefruit ist eine eigene Art, Citrus paradisi, und ihr Rot hat eine andere Herkunft. Bei Sorten wie Star Ruby, Rio Red oder Flame kommt es von Lycopin, einem Carotinoid, das in den Saftschläuchen sitzt. Das Rot der Blutorange dagegen ist Anthocyan, und das löst sich in Wasser. Deshalb ist ihr Saft nach der Produktspezifikation blutrot durch und durch: Der Farbstoff steckt nicht nur im Fruchtfleisch, er geht in den Saft über.
Woran du eine gute Blutorange erkennst
Die Schale verrät wenig. Gerade die Moro, die innen am dunkelsten ist, kann außen orange bleiben, und ein roter Hauch auf der Schale sagt nicht, wie rot das Fleisch ist. Verlässlicher ist das Etikett. Bei der Arancia Rossa di Sicilia tragen in einlagigen Kisten mindestens 80 Prozent der Früchte einen Aufkleber mit dem Logo der g.g.A., und künstliches Entgrünen ist für sie ausdrücklich verboten. Mindestens 30 Prozent des Fruchtgewichts muss Saft sein.
Zu Hause gehört sie an einen kühlen Ort. Nach der University of Florida regt kühle Lagerung nach der Ernte die Farbstoffbildung weiter an, am stärksten bei 10 Grad Celsius. Nur lagere eine Moro nicht zu lange: Die Zitrus-Sammlung der University of California in Riverside beschreibt, dass ihr Geschmack dann nachlässt.
Wie isst man eine Blutorange richtig?
So, wie es dir passt. Man kann sie essen, wie sie ist, schälen und in Spalten teilen, in Salat und Dessert geben oder pressen. Für Saft nimm die Moro, sie bringt die tiefste Farbe ins Glas. Für den Teller nimm die süße Tarocco.
Leg die Spalten auf dünn gehobelten Fenchel, gib etwas Olivenöl, Salz und schwarzen Pfeffer darüber, und auf dem Teller liegt ein Winter, der leuchtet. Eine Zitrusfrucht ganz anderer Art stellt der Eintrag zur Yuzu vor.
Blutorange im Glas: Limonade, Geist und Spritz
Die Saison ist kurz, das Glas hält sie länger. Die Aranciata Rossa von Lurisia enthält 20 Prozent Saft der Arancia Rossa di Sicilia g.g.A. aus Moro, Tarocco oder Sanguinello, dazu Rohrzucker, Zitronensaft und Kohlensäure. Gut gekühlt steht sie neben dem Fenchelsalat, und für alle, die keinen Alkohol trinken, ist sie das rote Glas am Tisch.
Florian Faude in Bötzingen am Kaiserstuhl macht aus der Tarocco di Catania des Landwirts Giancarlo vom Fuß des Ätna die Blutorange aus Sizilien, einen Geist mit 42 % vol: Frucht und Schale liegen in Alkohol, dann wird abdestilliert. Faude beschreibt ihn als blumig, mit einer Ahnung von Vanille, und nimmt den Geist pur oder für einen Collins und Aperitifs auf Campari-Basis.
Die Brennerei Ehringhausen in Werne brennt für ihren JOS. GARDEN 15 Spritz Blutorange ein eigenes Blutorangendestillat, Bitter Sweet mit 15 % vol. Der Spritz geht so: drei Teile Prickelndes, zwei Teile Likör, ein Schuss Soda, viel Eis und eine Scheibe Orange.
Quellen
- Consorzio di Tutela Arancia Rossa di Sicilia IGP: Disciplinare di produzione (Decreto MASAF vom 18. März 2026, GU Nr. 72 vom 27.03.2026)
- Consorzio di Tutela Arancia Rossa di Sicilia IGP: Le varietà
- Consorzio di Tutela Arancia Rossa di Sicilia IGP: Il territorio
- University of Florida, IFAS: Blood Oranges in Florida: Facts, Challenges, and Considerations (HS1500)
- University of Florida, IFAS: Citrus Fruit Pigments (HS1472)
- Givaudan Citrus Variety Collection, University of California Riverside: Moro blood orange (CRC 3830)
- Givaudan Citrus Variety Collection, University of California Riverside: Star Ruby grapefruit (CRC 3770)
- Faude feine Brände: Blutorange aus Sizilien
- Lurisia: Le bibite
Zuletzt geprüft am 10.10.2026